„Und Schwupps, auf einmal ist man 100“

Nur im Bett zu liegen kommt für die 101-jährige Ernestine „Erna“ Bauer nicht infrage: Sie liest auch heute noch gerne Romane, geht täglich spazieren oder trifft ihre Freundinnen zum Karten spielen. Groß gefeiert hat sie ihren Eintritt in den „Club der 100er“ auch im PBZ Herzogenburg. „Das geht einfach so dahin und schwupps, auf einmal ist man 100“, sagt Fr. Bauer und grinst. 

Wenn sie mit ihrem Rollator durch den Garten des Pflegezentrums spaziert, sich mit Freundinnen zum „Rummikub“ trifft oder von den Liebesgeschichten in ihren Hans-Ernst-Romanen erzählt, fällt es schwer zu glauben, dass die rüstige Dame bereits 101 Jahre alt ist.

Ernestine Bauer sieht vor allem ihre Aktivität und ihre sozialen Kontakte als entscheidend an. Die Herzogenburgerin gründete einst den Seniorenclub im Stift der Stadt und traf sich dort mehr als 50 Jahre lang einmal wöchentlich mit anderen Frauen zu verschiedensten Aktivitäten. „Die Gemeinschaft ist sicher so etwas wie ein Geheimrezept, damit man gut alt werden kann“, sagt Fr. Bauer, deren Mann bereits vor mehr als 20 Jahren verstorben ist.

Neben sozialen Beziehungen setzt Fr. Bauer auf Eigeninitiative. „Man darf einfach nicht nachlassen“, sagt die 101-Jährige. Diesen Rat möchte sie auch jüngeren Menschen mitgeben, die ein ähnlich hohes Alter erreichen möchten. Für sie selbst kommt Aufgeben nicht infrage. 

Ein Jahrhundert beinhaltet auch Schicksalsschläge. Zunächst stellte das Ehepaar Räder für Pferdewägen her. Als Gummireifen die Holzräder verdrängten, sattelten sie auf von Fr. Bauer bemaltes Holzspielzeug um, später auf Holzski und Rodeln. Neue Materialien wie Kunststoff machten schließlich auch diese Geschäftsmodelle obsolet. Zudem überstand Ernestine Bauer unter anderem eine Darmkrebserkrankung.

Die 101-Jährige setzt sich auch mit der heutigen Generation auseinander. Während des NÖN-Interviews klingelt ihr Handy. Wie selbstverständlich greift sie danach. „Ohne das geht es heute nicht mehr“, sagt sie und lacht. Sie erzählt, dass sie mittlerweile sogar Nachrichten schreiben könne.

Fr. Bauer will auch mit über 100 Jahren noch Neues lernen und macht Pläne. „Allerdings plane ich nur noch in halben Jahren. Mit über 100 ist der Zeithorizont schon kleiner“, sagt sie und lacht. Einen Termin hat sie sich aber noch fest vorgenommen: Ihren 102. Geburtstag im Februar 2027 möchte sie noch feiern.

 

 

Quelle: Text adaptiert aus der NÖN Ausgabe von 22.07.2026 (Woche 30/2026)

Hochaltrigkeit - „Und Schwupps, auf einmal ist man 100“ - NÖN.at

Weitere Fotogeschichten

Alle Fotogeschichten